100 Jahre Fußball in Gumpelstadt

An diesem Wochenende wird im Moorgrund groß gefeiert. Ein 100. Geburtstag, noch dazu einer eines Sportvereins – einen schöneren Anlass gibt es nicht.

Die 13 Burschen, die sich am 16. September 1919 trafen, weil sie unbedingt auch in einer gewissen Aufbruchsstimmung nach dem Ende des 1. Weltkrieges wie in vielen Dörfern ringsum der „englischen Krankheit“ huldigten und dem Ball nachjagen wollten, leben heute freilich nicht mehr. Sie würden Bauklötze staunen, was aus ihrer verrückten Idee von damals geworden ist. Dafür musste erst einmal ein geeigneter Platz her. Sie fanden ihn auf dem Heiligenberg, dem heutigen Domizil der Motorsportler und richteten ihn mühsam her, damit er den Regeln entspräche. So musste der Platz zumindest „frei von Bäumen und Sträuchern“ sein. Es ging voran. Bald wurde das erste Spiel gegen Teutonia Schweina ausgetragen, Duelle gegen den Sportklub 1919 Steinbach und die Teilnahme an den damals üblichen Turnieren folgten. Schon 1932 durfte man sich Bezirksmeister nennen, war inzwischen auf zwei bis drei Mannschaften mit Männern und Jugendlichen gewachsen. Die 30er und 40er Jahre verliefen turbulent: Verbot durch die Nazis, Wiedergründung, Auflösung mangels Spielern, da über die Hälfte zum Wehrdienst eingezogen worden waren. Das war zunächst auch nach dem unseligen 2. Weltkrieg nicht anders, der vielen Aktiven das Leben genommen hatte. Als „Motor“ Gumpelstadt ging es dann ab 1951 bergauf, auch weil am Profischer Weg ein neuer Platz gefunden worden war. An die 1956 geknüpfte, über mehrere Jahre bestehende Sportfreundschaft mit dem hessischen Dörnberg erinnern sich die Veteranen heute noch gern, ebenso an die legendären Sportfeste. Eine Mädchen-Gymnastikgruppe gründete sich in den 50er Jahren. Und es wurde erfolgreich gekickt, „gebäckst“, wie es auch in Gumpelstadt hieß. Auf der Ehrentafel stehen Kreismeistertitel, Kreispokalsiege, 1973 sogar der Bezirkspokalsieg und 1981 der Aufstieg in die Bezirksklasse, in der man bis 1985 spielte. Eine in den 80er Jahren erfolgreiche Jugendmannschaft, die es bis zum Kreismeister und Bezirksmeister brachte.

1989 wurde das 70jährige Bestehen gefeiert – es wurde unbewusst der Abschied von „Motor“. Denn am 6. September 1990 erhielt nach der politischen Wende der Sportverein nach seiner Neugründung seinen angestammten Namen „Gumpoldia“ zurück. 78 Mitglieder zählte man damals. Vorsitzender wurde Reinhard Hoßfeld und die Sportarena im Moorgrund wurde erweitert und verbessert. Zu den Fußballern gesellen sich Volleyballer und die Frauengymnastikgruppe, sowie Wander- und Touristikfreunde.

Wie einst die Ahnen, spielten auch deren Erben erfolgreichen Fußball, wurden mehrfach Kreispokalsieger und Kreismeister, und stiegen 2001, in einem der erfolgreichsten Fußballjahre, in die Bezirksliga auf. Die Gründung einer Spielgemeinschaft mit Fortuna Möhra 2012 war der richtige Weg, wie man heute weiß. Nach dem Abstieg gelang der SG 2016 der Aufstieg in die Kreisoberliga, in der heute erfolgreich gespielt wird. Gefürchtet sind die SG-Fußballer auch als Hallenfüchse. Die Frauenmannschaft machte sich in der Neuzeit als Hallenkreismeister, Kreismeister im Freien, Kreispokalsieger einen Namen, teils sogar überregionale Erfolge heimsten mehrere Altherrenmannschaften ein.

Und heute? „Der eigentliche Grund zum Feiern ist für mich der sehr gute Zustand des Vereins im Jahr 2019“, gibt Ex-Bürgermeister und Vize-Landrat Udo Schilling, selbst über Jahrzehnte aktiver „Bäckser“ der Gumpoldia, zu Protokoll. Unter dem seit 2009 amtierenden 1. Vorsitzenden Jan Wettstein ist die Gumpoldia jünger und vitaler als je zuvor. Über 300 Mitglieder gehören ihr aktuell an, 11 (!) Mannschaften jagen dem Ball nach, die „Dance Company“ mit fünf Gruppen ist überregional für gute Unterhaltung bekannt. Die Frauensportabteilung ist ebenfalls aktiv. Die jährliche Sportfestwoche mit dem „Moorgrundpokal“, der in diesem Jahr zum 20. Mal stattfindet (auch keine Selbstverständlichkeit), das alljährliche Tanz- und Musikfest, Weihnachtsfeiern und vieles mehr lassen den Verein, den in all den Jahren hunderte Ehrenamtliche getragen haben, neben dem Sportlichen zur wichtigen Komponente der Freizeitgestaltung werden.

Viel mehr ist nachzulesen in der von Dietmar Hartmann in zweijähriger Arbeit zusammengestellten, reich bebilderten Chronik, die unter anderem an diesem Festwochenende erworben werden kann.

Denn von Freitag, den 07. Juni bis Sonntag, den 09. Juni wird erst mal ordentlich gefeiert! Und damit ist noch nicht Schluss, denn am 19. September folgt der Festkommers mit Auszeichnungen, und da wird, wie schon am Abend der Vorstellung der Chronik Anfang Mai, natürlich auch das Vereinslied wieder geschmettert!